Rezension zum Album

Autor: Rifforge

Veröffentlichungsdatum: 01.02.2025 15:21

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«Asarhaddon - Reysa»

🇩🇪 Germany • Black Metal Post Metal
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Über modernen Black Metal zu sprechen, ohne in Nostalgie oder Zynismus abzugleiten, ist eine nahezu äußerst schwierige Aufgabe. Das Genre, das als Antithese zum Mainstream geboren wurde, balanciert heute zwischen kommerzieller Anpassung und fanatischem Purismus. Auf den ersten Blick mag es scheinen, dass moderne Projekte dieses Genres sich entweder auf das Eintauchen in räumliche Melancholie oder auf die Demonstration aggressiven Extremismus beschränken, doch ASARHADDON gelingt es, beide Ansätze zu vereinen und ein musikalisches Labyrinth zu errichten, in dem der Hörer auf helle Ausbrüche wilder Kraft und feine Nuancen philosophischer Nachdenklichkeit trifft.

«Reysa» (2020) ist die Quintessenz des Black Metal, in der jede Note von Widerspruch atmet: Aggression verwebt sich mit Melancholie, Archaisches mit Innovation, und die philosophische Tiefe der Texte verwandelt sich nicht in pseudo-intellektuelles Gerede.

Von den ersten Sekunden an taucht «Reysa» in eine Welt ein, in der jede Gitarrenwiederholung, jeder perkussive Angriff wie eine Offenbarung klingt, durchdrungen von Nostalgie nach der Ära der frühen norwegischen Bands und zugleich in eine Zukunft gerichtet, frei von Banalitäten und schablonenhaften Lösungen.

Konzept des Albums und existenzielle Bilder

Das Konzept des Albums - eine «poetische Reise durch Raum und Zeit zum unvermeidlichen Ende» - hätte zu einem Klischee werden können, gäbe es nicht zwei Nuancen. Erstens vermeiden die Texte geradlinigen Satanismus und ersetzen ihn durch existenzielle Bilder: Die Natur wird hier nicht romantisiert, sondern erscheint als blinde Kraft, gleichgültig gegenüber menschlichen Ambitionen. Zweitens ist der Gesang kein gewohntes zügelloses Knurren, sondern ein fokussierter Mid-Range-Schrei, in dem jede Phrase wie eine Beschwörung klingt und die Stimme zu einem Instrument wird, das apokalyptische Landschaften zeichnet.

Kompositorische Dramaturgie und Bewegung des Albums

Die Kompositionen demonstrieren nicht nur technisches Können, sondern bilden auch eine tiefgehende Erzählung, in der Tempoänderungen, Dynamik und Stimmung äußerst präzise austariert sind. So fesselt der dynamische Opener «Der Ursprung» sofort mit seiner Geschwindigkeit und Härte die Aufmerksamkeit und gibt nach und nach lyrischen Momenten Raum, wenn melodische Passagen die Möglichkeit geben, den heranrollenden Sturm aus Klängen zu begreifen. Der wiederholte Einsatz von Unterbrechungen, kurzen Breaks und langsamen Rückzügen verwandelt das Hören in eine filmische Reise, bei der jede Wendung der Handlung von einer neuen klanglichen Entdeckung begleitet wird.

Geschlossenheit der Tracklist und kulminierende Momente

Jede der sechs Kompositionen ist so aufgebaut, dass der Übergang von einem Track zum nächsten nicht wie eine zufällige Ansammlung von Klängen wirkt, sondern wie eine logisch verbundene klangliche Erzählung. Insbesondere «Die Vergängnis erwacht» und «Ein wahrlich wirrer Ort» wechseln geschickt Momente bloßer Aggression mit echogefüllten Interludien ab, in denen das Tempo langsamer wird und dem Hörer erlaubt, die gerade durchlebten emotionalen Erfahrungen zu verarbeiten. Der Track «Der Aufstieg» dient als eine Art Kulmination, in der der Einfluss früher norwegischer Formationen deutlich spürbar ist, während der Klang zugleich frisch und originell bleibt und von der eigenen musikalischen Identität der Gruppe zeugt.

Kreatives Tandem und Reife des Projekts

Hinter der Band steht jahrelange Arbeitserfahrung, die sich klar in jedem Detail der Arrangements zeigt. Die zentralen kreativen Kräfte, zwei Schöpfer namens Christian (Koss und Kircher), konnten die Energie jugendlichen Brennens mit Weisheit verbinden, die aus Erfahrung erwächst. Ihre Fähigkeit, im Tandem zu arbeiten, sowie die Zusammenarbeit mit Gastmusikern, etwa der Sängerin Nova, verleihen dem Projekt eine zusätzliche Dimension, die es erlaubt, selbstbewusst von der Zukunft der Band als bedeutendem Akteur der modernen Szene zu sprechen.

ASARHADDON vor dem Hintergrund der modernen Szene

Wichtig ist anzumerken, dass ASARHADDON in einer Situation, in der viele neue Projekte auf den Markt kommen, oft mit Fokus auf schnellen Schockeffekt und oberflächliche Reproduktion von Genre-Stereotypen, einen anderen Ansatz demonstrieren. Sie versuchen nicht, durch glatte Schablonen nur kurzfristige Aufmerksamkeit beim Hörer hervorzurufen, sondern legen ein Fundament für zukünftige Anerkennung, gestützt auf eine tiefe persönliche Wahrnehmung der Musik und ein aufrichtiges Streben nach künstlerischer Selbstverwirklichung. Das Ergebnis dieses Ansatzes ist ein Album, das nicht nur die Ansprüche jener erfüllt, die in der Musik ursprüngliche Kraft und emotionale Dichte suchen, sondern sich auch an jene richtet, die die Feinheit der musikalischen Konstruktion und den Reichtum des konzeptuellen Entwurfs zu schätzen wissen.

Dialog der Epochen und Neuinterpretation des Erbes

Wäre «Reysa» in der Mitte der 90er erschienen, hätte man es bereits zur Klassik gezählt. Doch ASARHADDON stecken nicht in der Vergangenheit fest. Ihre Stärke liegt in der Fähigkeit, das Erbe der zweiten Welle durch das Prisma eines modernen Weltgefühls zu transformieren. Sie verbinden melancholische Melodien mit beinahe post-rockiger Dynamik, eingewoben in ein Black-Metal-Geflecht. Das ist keine Retrospektive, sondern ein Dialog der Epochen - hart, aber respektvoll.

Fazit: Musik für jene, die bereit sind zuzuhören

ASARHADDON entdecken keine neuen Universen, aber sie zeichnen die Karte der bekannten neu. «Reysa» ist eine Art künstlerische Aussage, technisch makellos, aber emotional «zerrissen», philosophisch vielschichtig, aber frei von Pathos. Hier sucht man keine einfachen Antworten, folgt keinen modischen Tendenzen und versucht nicht, überlebte Klischees zu wiederholen.

Das ist Musik für jene, die bereit sind, zuzuhören, und nicht nur zu hören.
Bewertung: 9/10
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